Hör auf zu jammern!

Das Wetter ist furchtbar. Schon wieder Stau. Der Kollege nervt. Nichts funktioniert, wie es soll.

Jammern ist einfach. Irgendetwas findet sich immer!

Aber hast du schon einmal darüber nachgedacht, was dieses ständige Jammern mit dir selbst macht?

Ich beschäftige mich seit Jahren damit, wie unsere Gedanken und Gewohnheiten unser Leben beeinflussen. Besonders interessant finde ich, wie schnell das Jammern zur Gewohnheit wird.

Wer ständig darauf achtet, was alles schlecht läuft, findet irgendwann überall einen Grund, sich aufzuregen.

Zum Glück funktioniert das auch umgekehrt!

Dein Gehirn lernt, was du trainierst

Hast du schon einmal den Satz gehört: Nervenzellen, die gemeinsam aktiv sind, verstärken ihre Verbindungen?

Dahinter steckt ein grundlegendes Prinzip der Neuroplastizität. Unser Gehirn verändert sich durch das, was wir immer wieder denken und tun. Häufig genutzte Nervenverbindungen werden gestärkt.

Wenn du dir ständig vor Augen führst, was alles schlecht läuft, trainierst du dein Gehirn darauf, weitere Probleme zu entdecken.

Und je öfter du das tust, desto selbstverständlicher wird diese Denkweise.

Genauso kannst du aber auch trainieren, das Gute in deinem Leben wahrzunehmen.

Warum solltest du dein Gehirn aufs Jammern trainieren, wenn du ihm genauso gut beibringen kannst, das Gute zu sehen?

Jammern verdirbt die Laune

Wie fühlst du dich nach einer halben Stunde Jammern?

Fröhlicher? Gelassener? Voller Energie?

Wohl kaum!

Wenn wir uns immer wieder über dieselbe ärgerliche Sache aufregen, halten wir den Ärger selbst am Leben.

Das Ereignis liegt vielleicht schon Stunden zurück. Aber in unserem Kopf beschäftigen wir uns noch immer damit.

Stress wirkt sich auch auf unseren Körper aus. Dauerstress beeinträchtigt unter anderem den Schlaf, die Konzentration und die Erholung.

Warum sollten wir unsere Energie darauf verschwenden, denselben Ärger immer wieder neu zu erleben?

Jammern ist ansteckend!

Warst du schon einmal richtig gut gelaunt, bis jemand angefangen hat zu jammern?

Der Erste schimpft über das Wetter. Der Zweite über den Verkehr. Der Dritte erzählt, wie furchtbar heutzutage alles geworden ist.

Und schon ist die ganze Runde schlecht gelaunt!

Stimmungen übertragen sich. Die Mimik, der Tonfall und das Verhalten anderer Menschen beeinflussen auch unsere eigene Stimmung.

Ständiges Jammern verdirbt also nicht nur uns selbst den Tag. Wir ziehen damit auch andere herunter.

Und eines müssen wir uns eingestehen: Menschen, die ständig jammern, sind auf Dauer anstrengend!

Ich verbringe meine Zeit viel lieber mit Menschen, die Freude am Leben haben, sich für Dinge begeistern können und bei Problemen nach Lösungen suchen.

Und genauso ein Mensch möchte ich selbst sein.

Jon Gordons Regel: Schluss mit dem Jammern!

Der amerikanische Autor Jon Gordon beschäftigt sich in seinem 2008 erschienenen Buch The No Complaining Rule genau mit diesem Thema.

Im Mittelpunkt steht eine Regel, die in einem Unternehmen eingeführt wurde, um die ständige Nörgelei zu beenden und die Mitarbeiter dazu zu bringen, sich auf Lösungen zu konzentrieren.

Die Regel ist einfach:

Wer ein Problem anspricht, soll gleichzeitig einen oder zwei Lösungsvorschläge machen.

Was für ein Unterschied!

Ein Problem zu erkennen ist sinnvoll. Schließlich können wir nur etwas ändern, wenn wir wissen, was falsch läuft.

Aber immer wieder über dasselbe Problem zu reden, ohne auch nur einen Versuch zu unternehmen, es zu lösen, bringt niemanden weiter.

Gordon fordert keineswegs, dass wir echte Probleme verschweigen sollen. Im Gegenteil! Probleme müssen angesprochen werden. Aber unsere Energie gehört in die Lösung und nicht in endlose Beschwerden.

Wenn du dich das nächste Mal beim Jammern ertappst, frag dich:

Was kann ich daran ändern?

Kannst du etwas ändern? Dann tu es!

Kannst du nichts ändern? Dann verschwende nicht auch noch deine Energie mit ständigem Jammern.

Was kannst du stattdessen tun?

Jon Gordon stellt auch fünf praktische Möglichkeiten vor, wie wir das Jammern durch bessere Gewohnheiten ersetzen können.

  1. Übe dich in Dankbarkeit. Überlege dir jeden Tag drei Dinge, für die du dankbar bist.
  2. Lobe andere Menschen. Achte darauf, was andere gut machen, statt immer nur ihre Fehler zu sehen.
  3. Freue dich über Erfolge. Erinnere dich am Abend an eine Sache, die an diesem Tag gut gelaufen ist.
  4. Lass los. Konzentriere dich auf Dinge, die du beeinflussen kannst, statt dich über alles aufzuregen, was außerhalb deiner Kontrolle liegt.
  5. Nimm dir Zeit für Stille und Gebet. Komm zur Ruhe und schöpfe neue Kraft.

Besonders der letzte Punkt gehört fest zu meinem eigenen Leben. Das Gebet hilft mir, innezuhalten und die Dinge wieder in der richtigen Perspektive zu sehen.

Manchmal reichen schon ein paar Minuten stilles Gebet oder ein Rosenkranz, um das unnötige Gedankenkarussell zu stoppen.

Erwisch dich selbst beim Jammern!

Eine einfache Übung besteht darin, den Drang zum Jammern zu erkennen, bevor du überhaupt den Mund aufmachst.

Wenn dich das nächste Mal etwas ärgert, halte kurz inne.

Achte darauf, was in deinem Körper passiert.

Beißt du die Zähne zusammen? Sind deine Schultern verspannt? Spürst du einen unangenehmen Druck im Bauch?

Fang jetzt nicht sofort an, dir selbst zu erklären, warum du dich so ärgerst. Nimm das Gefühl einfach wahr.

Atme ruhig durch und gib dir einen Moment Zeit, bevor du reagierst.

Dann frag dich:

Bringt es irgendetwas, wenn ich mich jetzt darüber aufrege?

Kann ich die Situation verbessern? Oder lasse ich die Sache auf sich beruhen?

Genau in solchen kleinen Alltagssituationen lernen wir, eingefahrene Gewohnheiten zu verändern.

Mach einen Tag Jammerfasten!

Jon Gordon schlägt auch eine Art Jammerfasten vor.

Die Idee ist einfach: Nimm dir vor, einen ganzen Tag lang nicht zu jammern.

Klingt leicht?

Probier es aus!

Du wirst staunen, wie oft du im Laufe eines einzigen Tages das Bedürfnis verspürst, irgendeinen völlig überflüssigen negativen Kommentar abzugeben.

Und genau darum geht es bei dieser Übung. Erst wenn du bemerkst, wie oft du jammerst, kannst du diese Gewohnheit ändern.

Wir können das Wetter nicht bestimmen, nicht jeden Stau verhindern und schon gar nicht andere Menschen dazu bringen, sich immer so zu verhalten, wie wir es gerne hätten.

Aber wir können entscheiden, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten und wie wir reagieren.

Lass dir nicht von jeder Kleinigkeit die gute Laune verderben!

Konzentriere dich auf das, was gut läuft. Und bei allem, was nicht gut läuft, überlege dir, was du selbst ändern kannst.

Es gibt im Leben schließlich viel schönere Beschäftigungen als Jammern!

Buchtipp: Jon Gordon, The No Complaining Rule: Positive Ways to Deal with Negativity at Work (Wiley, 2008). Mehr über das Buch auf Jon Gordons Website.